Hl. Nikolaj Velimirović

Gebete am See

VIII

Die Welten umschwärmen Dich wie Bienen einen blühenden Kirschbaum. Eine jede Welt drängt die anderen zur Seite; eine ficht das Vorrecht der anderen an; sie betrachten einander als Eindringlinge in ihrem Heim. Alle beanspruchen ein größeres Recht an Dir als Du selbst.

Von der Ausgießung Deiner Fülle werden die Schwärme gespeist, Du unerschöpfliche Süße. Alle überessen sich und gehen hungrig fort.

Von allen Schwärmen bleibt der Menschenschwarm am hungrigsten. Nicht weil Du keine Speise für ihn hättest, Du Herr des Hauses, sondern weil er es versäumt, seine Speise zu erkennen, und so ringt er mit Raupen um dasselbe Blattwerk.

Vor allen Geschöpfen und bevor Zeit und Trauer waren, formtest Du, Herr, den Menschen in Deinem Herzen. Zuerst erdachtest Du den Menschen, auch wenn Du ihn als letzten erscheinen ließest im Rosenkranz der Schöpfung. So wie ein Gärtner an das Blühen seiner Rose denkt, während er noch gräbt und die trockenen Rosenstöcke pflanzt; so wie ein Bauherr schon Freude über die Kuppeln empfindet, die doch als letztes errichtet werden, während er die Kirche noch plant

Vor aller Schöpfung gebarst Du den Menschen in Deinem Herzen

Hilf meiner sterblichen Zunge, diesen Menschen zu benennen, diesen Strahlenglanz Deiner Herrlichkeit, dieses Lied Deiner Seligkeit. Sollte ich ihn nennen – den Allmenschen? Denn so wie Er in Deinem Herzen enthalten war, so waren all die offenbarten Welten, einschließlich der Menschen und der Boten der Menschen in Seinem Geist enthalten.

Und keiner kennt den Vater außer dem Sohn, noch kennt irgendeiner den Sohn außer dem Vater. Dem Nirwana glichest Du, Herr, bis der Sohn in Dir empfangen wurde; Du warst ohne Zahl und Namen.

Wie soll ich Dich rühmen inmitten eines Schwarmes hungriger Raupen, welche ein Windstoß auf den blühenden Kirschbaum bläst und ein anderer wieder fortbläst; deren ganze Lebenszeit zwischen zwei Winden vergeht?

O Herr, mein Traum bei Tag und Nacht, hilf mir, Dich zu rühmen, so daß nichts in meinem Herzen groß zu werden vermag außer Dir.

Mögen alle Geschöpfe Dich rühmen, Herr, damit sie nicht sich selbst statt Deiner groß machen.

Wahrlich, Du bist unfaßbar groß, Herr, könnten Dich doch all unsere Hymnen noch größer machen.

Und wenn vom blühenden Kirschbaum alle Insektenschwärme fortgeblasen werden, bleibt der Kirschbaum derselbe in seiner Majestät und Frühlingspracht.

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